Heute möchte ich euch von einer kleinen, aber lehrreichen Reparatur berichten. Unsere Zehnder ComfoAir Q350 Lüftungsanlage wurde am 05.07.2019 hergestellt, ist also mittlerweile rund sieben Jahre alt und davon etwa sechs Jahre bei uns im Einsatz. Bisher lief sie zuverlässig. Aber im Juni 2026 zeigte Sie plötzlich die Meldung „Wartungsmodus“ oder ähnlich im Display an. Mit dem erste Drücken auf dem Gerätedisplay ging dann die Anlage über sich im Sekundentakt ständig neu zu starten. Wie ich diesen Bootloop Schritt für Schritt eingegrenzt und am Ende selbst repariert habe, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

Das Video hier zeigt das Bootloop Verhalten.

Zehnder ComfoAir Q350 video

Was war das Problem? Die Anlage startet ständig neu

Angefangen hat alles mit einer Meldung am Gerät. Ich wollte über das Menü an der Anlage selbst herausfinden, was los ist, doch ab dem ersten Druck auf die Folientaste startete das Gerät im Sekundentakt immer wieder neu. Ein klassischer Bootloop also: Die Anlage fährt an, stürzt nach kurzer Zeit ab und beginnt von vorne. Ein vernünftiges Arbeiten im Menü war damit unmöglich da es ja auch gar nicht mehr angezeigt wurde.

Bei uns ist es so: Wenn etwas kaputtgeht und Handwerker schwer zu erreichen sind, zerlege ich die Dinge gerne erst einmal selbst. Also habe ich mir das Installationshandbuch vorgenommen, um zu verstehen, wo die Sensoren sitzen, wie ich das Heizregister ausbauen kann und wie ich die vier Sensoren überhaupt prüfe – etwa darauf, ob Verschmutzungen das Problem verursachen oder ein Lüftungsmotor festsitzt.

Die Anlage zerlegen – ein großer Klemmbaustein-Kasten

Ich habe links und rechts die Sensoren ausgebaut. Dabei ist mir sofort etwas aufgefallen: Der Sensor für die Zuluft war extrem verstaubt und wurde offensichtlich noch nie gereinigt und das, obwohl wir den Installateur der Anlage extra zur Wartung haben kommen lassen. Was er damals gemacht hat, kann ich nicht sagen, ich war nicht dabei. Viel kann es aber nicht gewesen sein.

So schlimm sah der Sensor aus und ja das ist nicht gut.

Zehnder ComfoAir Q350 SHT30 I2C Sensor dirty

Zehnder ComfoAir Q350 SHT30 I2C Sensor dirty

Der baugleiche Sensor für die Abluft sah dagegen noch tadellos sauber aus und hier musste ich nichts reinigen. Nachdem ich also alles zerlegt, gründlich gesäubert und wieder zusammengebaut hatte, war der Fehler trotzdem nicht weg: Die Anlage startete weiterhin jede Sekunde neu.

Eine Nacht stromlos die kurze Hoffnung

Ich habe dann erst einmal Pause gemacht und das Gerät über Nacht stromlos stehen lassen. Am nächsten Tag lief die Anlage tatsächlich für rund 30 Sekunden an, bevor sie wieder in den Bootloop fiel. Damit war klar: Das Problem löst sich nicht von selbst.

Die Platine durchmessen – mit Profi-Unterstützung

An dieser Stelle habe ich einen Bekannten ins Boot geholt, der in seiner aktiven Zeit Fernsehtechniker war. Gemeinsam haben wir die Platine durchgemessen. Das Ergebnis war zunächst ernüchternd: Bei der Spannungsversorgung mit 3,3 V am Mikrocontroller konnten wir keinen Fehler feststellen. Auch mit dem Oszilloskop sahen die Leitungen nicht ungewöhnlich verrauscht aus. Im Großen und Ganzen konnten wir also keinen offensichtlichen Fehler auf der Platine finden.

Eingrenzen durch Abklemmen – so finde ich den Übeltäter

Dann haben wir die Anlage systematisch eingekreist: Wir haben alle Sensoren, Motoren und auch das Kabel des Heizelements abgeklemmt und das Gerät eingeschaltet. Und siehe da, die Anlage fuhr sauber hoch und blieb stabil im Inbetriebnahme-Modus stehen. Damit war bewiesen: An der Platine selbst liegt es nicht. Okay, das hätten wir gleich machen sollen bevor wir die Platine durchgemessen haben. Aber ich dachte ja auch das Zehnder ein gutes Fehlermanagement in ihrer Softare eingebaut hat. Also so eine IF – ELSE Abfrage z. B. aber dazu dann im folgenden Text.

Alle Kabel in den gelben Kästen hatten wir abgezogen und dann nach einander wieder angeschlossen um den Fehler einzugrenzen.

Zehnder ComfoAir Q350 Sensor motor heating check

Zehnder ComfoAir Q350 Sensor motor heating check

Jetzt haben wir die Kabel beziehungsweise Sensoren einen nach dem anderen wieder angeschlossen. Und genau beim Sensor für die Zuluft zeigte sich wieder das Muster der sekündlichen Abstürze. Das war ausgerechnet der Sensor, der am meisten Staub angesammelt hatte  und der im Zuluftkanal direkt der mal heißen, trockenen, mal feuchten oder kalten Luft ausgesetzt ist.

Diesen Sensor haben wir uns dann ganz genau angesehen und schnell erkannt: Es ist ein klassischer I²C-Sensor vom Typ SHT30. Das hat mich gefreut, denn so ein Sensor kostet auf AliExpress nur ein paar Euro inklusive Porto.

Der defekte Kondensator am SHT30-Sensor

Bei genauerem Hinschauen fiel uns auf, dass der kleine Kondensator zwischen V und GND direkt vor dem Sensor merkwürdig aussah: Die Vergussmasse war hochgewölbt und schimmerte grünlich – fast wie Grünspan beziehungsweise Korrosion.

Zehnder ComfoAir Q350 SHT30 I2C Sensor

Zehnder ComfoAir Q350 SHT30 I2C Sensor

Vermutlich hat dieser angegriffene Stützkondensator die Versorgung des Sensors instabil gemacht oder einen Kurzschluss verursacht und damit die I²C-Kommunikation gestört. Die Firmware hat das offenbar als Fehler oder etwas ähnlichem erkannt das nicht sauber abgefangen wurde und ist in den Bootloop gegangen. Für so ein teures Gerät finde ich das persönlich etwas schwach aber Fehler passieren und jetzt mit KI unterstützung vielleicht weniger als noch 2019.

Dem Forschergeist erlegen, haben wir direkt am Dachboden vor dem Gerät den Lack und die Korrosion mit dem Fingernagel weggekratzt. Kleiner Lerneffekt: Dabei haben wir den winzigen Kondensator gleich verloren und dazu noch eine Leiterbahn leicht beschädigt. Für einen Fernsehtechniker mit der passenden Ausrüstung ist so etwas zum Glück kein Problem.

Die Reparatur: neuer 100-nF-Kondensator

Zwei Tage später hatte ich den Sensor mit frisch eingelötetem Kondensator zurück. Bei der Wahl des Ersatzteils sind wir davon ausgegangen, dass bei einem SHT30-I²C-Design üblicherweise ein 100-nF-Abblockkondensator direkt an der VDD-Versorgung des Sensors sitzt. Weil wir beim Wegkratzen die Leiterbahn leicht beschädigt hatten, mussten wir am Kondensator zusätzlich eine kleine, leicht verlängerte Ersatzleiterbahn anlöten.

Hier auf dem Bild sieht man ganz gut wie der neue Kondensator eingebaut ist und auch wieder lackiert wurde um ihn etwas vor der Zuluft zu schützen die direkt an ihm vorbei strömt. Schön sieht es nicht aus aber die Bauteile sind so klein das es wirklich nicht einfach ist diese einzulöten und das wichtigste ist ja das es überhaupt geklappt hat.

Zehnder ComfoAir Q350 SHT30 I2C Sensor new capacitor

Zehnder ComfoAir Q350 SHT30 I2C Sensor new capacitor

Der Moment der Wahrheit – läuft sie wieder?

Jetzt waren wir beide natürlich sehr gespannt, was beim Wiedereinbau des Sensors passieren würde. Kurz gesagt: Die Anlage ist stabil im Inbetriebnahme-Modus hochgefahren, und ich konnte alle Konfigurationen wieder vornehmen. Sogar das Messprotokoll für die Luftmenge habe ich noch herausgesucht, um die alten Werte wieder zu hinterlegen. Seitdem läuft unsere ComfoAir Q350 wieder einwandfrei mit repariertem „alten“ Sensor.

Mein persönliches Fazit

Ich habe bei dieser Reparatur eine Menge gelernt. Zum Beispiel, dass eine Zehnder ComfoAir Q350 im Grunde wie ein großer Klemmbaustein-Kasten aufgebaut ist, den man ohne große Probleme zerlegen kann. Das hat Zehnder wirklich gut entworfen und ich würde mir wieder solch eine Anlage zulegen. Sehr positiv finde ich auch, dass viele Sensoren auf Standardkomponenten basieren, die man als versierter Bastler selbst ersetzen kann.

Interessant fand ich, dass der Sensor für die Zuluft zwar schön in einem eingegossenen Gummihalter verpackt ist, aber direkt der Zuluft ausgesetzt wird ohne großen Schutz vor Feuchtigkeit. Eine etwas bessere Isolierung gegen die Luftfeuchte hätte den Defekt am Kondensator vielleicht verhindern können. Das der SHT30 direkt in der Zuluft sitzen muss kann man nicht ändern das muss wohl so sein.

Ein bisschen nachdenklich macht mich auch die Software: Statt einen verständlichen Hinweis wie „Störung am I²C-Sensor“ im Display anzuzeigen, verfällt die Anlage einfach in einen Bootloop. Ob das Absicht ist, kann ich nicht beweisen – aber als Informatiker wundert es mich schon, dass eine simple Logik nach dem Muster „WENN Sensor liefert unplausible Werte, DANN zeige eine klare Fehlermeldung im Display“ hier offenbar fehlt. Eine solche Meldung hätte mir die ganze Sucherei erspart. Ich gehe stark davon aus, dass Zehnder hier in Zukunft mit vielleicht KI Unterstützung gar nicht mehr solche IF / ELSE Check weg lässt. Aber wie es auch sein Fehler gehören dazu und aus ihnen muss man nur lernen.

Unterm Strich bin ich sehr froh: Ich konnte wieder etwas Neues lernen und dabei vermutlich 300 € sparen. Allein der Original-Sensor kostet etwa 80 €, dazu wäre noch der Installateur gekommen. Und das Beste: Ich kann die Anlage jetzt selbst warten und reinigen und werde den Zuluft-Sensor künftig regelmäßig im Blick behalten.